Ausgabe 90

Vorsorge 

Der Gedanke der Prävention, also der vorausschauenden Betreuung unserer PatientInnen, das Erkennens von Veränderungen noch bevor sie sich als Krankheiten manifestieren, ist ein wesentlicher Teil unser ärztlichen Tätigkeit.  

Als Hausarzt begleitet man seine PatientInnen für Jahre und Jahrzehnte und ich sehe es als meine Aufgabe mögliches Risikoverhalten wie etwa Rauchen oder Bewegungsmangel anzusprechen und damit eine Chance zur Änderung zu ermöglichen. 

Die jährliche Gesundenuntersuchung ist wesentlicher Bestandteil unserer Betreuungsphilosophie, wobei es nicht nur um das Ausfüllen des Gesundenuntersuchungsbogens geht. Damit werden einfach nur , die während eines Jahres erbrachten Vorsorgeleistungen, wie der jährlichen Blutabnahme, Mammographie, Facharztkontrollen (Gynäkologie, Urologie, Zahnarzt) dokumentiert. Auch die Motivation zur Darmspiegelung alle 10 Jahre ab dem 50 Lebensjahr, beginnt Früchte zu tragen, denn es nimmt die Zahl der rechtzeitig entfernten Darmpolypen noch ohne Krebszellen zu. 

Da man mit dem Gedanken der Vorbeugung nicht früh genug beginnen kann, versuchen wir auch unsere „jungen“ PatientInnen für Risiken wie Nikotin oder Übergewicht zu sensibilisieren und zu Facharztbesuchen zu motivieren und natürlich gehört auch die jährliche Blutabnahme dazu. 

Aus diesem Grund bieten wir in unserer Praxis das Diabetes Management Programm an, damit eine Hochrisikogruppe wie die DiabetikerInnen auch durch das regelmäßige Besuchen von Fortbildungen die modernste und beste Therapie erhalten.  

Bisher war die Teilnahme an den Vorsorgeuntersuchungen und damit das Reflektieren seines Lebensstiles also seines Erkrankungsrisikos zwar von Allen im Gesundheitsbereich gewünscht, aber für den Einzelnen ohne unmittelbaren Vorteil. 

Mit diesem Jahr startet nun die Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft einen Versuch Vorsorgebewusstsein und Lebensstiländerung finanziell zu honorieren. Geplant ist den Selbstbehalt von 20 % auf 10 % zu senken, wenn PatientInnen an einer Vorsorgeuntersuchung teilnehmen und gemeinsam erarbeitete Gesundheitsziele erreichen, im Sinne von „Gesundheit verbessern“ bzw. „Gesundheit erhalten“ 

Hier wird zum ersten Mal versucht nicht Krankheit sondern Gesundheit zu honorieren! Auch im ärztlichen Bereich verdient man nicht daran, dass jemand krank ist, sondern gesund bleibt.  

In diesem Zusammenhang finde ich es gut und richtig, dass wir als ÄrztInnen für Allgemeinmedizin in Wien eine sogenannte Pauschalbezahlung erhalten, das bedeutet egal wie krank jemand ist oder wie oft jemand pro Quartal in die Ordination kommt, wir erhalten immer den gleichen Betrag. Nicht die Schwere der Erkrankung bestimmt das Honorar, sondern die Zuwendung und Betreuung jedes/er einzelnen Patienten/in. Somit habe ich als Arzt kein Interesse PatientInnen „kranker“ zu machen, sondern gesund zu erhalten. Das Projekt der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft setzt nun ebenfalls einen Schritt in diese Richtung. 

Inwieweit alle anderen Versicherten davon in Zukunft profitieren, werden die nächsten Monate zeigen. Dass unser Weg der regelmäßigen Vorsorge der Richtige ist, wird damit aber mehr als bestätigt. Schon bisher profitiert davon jeder/e unserer Patienten/innen durch die gute Betreuung und Aufklärung, aber noch hat man keinen unmittelbaren finanziellen Vorteil. 

„Schau ma mal“

    

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